Die Hummel

Die Hummel (Hommel, Humle, Hümmelke, Noordsche Balk, Vlier…) ist eine Griffbrettzither mit mehreren Bordunsaiten. Sie ist im nordeuropäischen Kulturraum verbreitet. Hummeln verschiedenster Bauart vom 17. bis zum 20. Jahrhundert befinden sich in Museen und in Privatbesitz.

Einer fast lebensgroßen Stuckfigur von ca. 1698 im Plafond der Halle von Gut Damp an der Ostsee wurde eine echte, etwas beschädigte Hummel in die Hände gegeben. Die Hummel sollte also vor 1698 gespielt worden sein. (Die Spielhaltung ist ungewöhnlich, man hat aus der Zither ein Gamben-ähnliches Instrument gemacht).

Von der Hallig Langeneß stammt eine Hummel aus dem Jahre 1758. Sie ist im äolischen Modus (a-moll) gestimmt.

Eine Stuckdekoration von 1766 im Saal des Herrenhauses am Domhof in Ratzeburg zeigt eine Hummel mit einem übergehängten Dudelsack.

Der in Burg in Dithmarschen geborene Johann Heinrich Löhmann erinnert sich an die 1830er Jahre, als er einen Musikanten in Dithmarschen hören konnte. Als Begleitinstrument für seinen Gesang spielte dieser eine Hummel: 

  • Nu kummt Kasten, kummt Kasten mit de Hummel un Trin mit de Trummel.

Johann Georg Kohl lernte eine Hommel auf der Insel Föhr kennen und berichtet darüber im Jahre 1846:

  • […] Sie besaß auch noch ein altes musikalisches Instrument, eine Art antik geformter Cither, die sie vor sich auf den Tisch stellte, um mir ein altes Stück darauf vorzuspielen. Sie nannte diese Cither eine „Hommel“ und sagte, es gäbe nur noch wenige „Hommeln“ auf der Insel, die aber wohl alle, ebenso wie die ihrige, aus Holland hierher gekommen wären. Diese Hommel hatte bloß messingene Saiten, von denen einige parallel neben einander gespannt waren, die anderen aber in divergirenden Strahlen sich auf dem Instrumente verbreiteten. Die ersten griff sie mit dem Finger und riß sie mit einer Federspule. Am Schlusse jedes Satzes aber fuhr sie mit der Federspule über die divergirenden Saiten hin, die gleichsam nur mittönten oder nachhallten und eine Art Echo des Spiels zu bilden schienen.              Ehemals, sagte mir meine alte Freundin, wären solche Hommeln häufiger gewesen, und man hätte wohl nach ihrer Musik getanzt, während man jetzt immer Trompeten und Violinen dazu haben wolle. Die meisten Leute aber hätten die Hommel im Hause gehabt, um darauf den „Sonntagnachmittags-psalm“, der sonst in jeder Familie gesungen worden sei, zu accompagnieren.[…]

Andreas L. J. Michelsen berichtet im Jahre 1876 von der Insel Föhr:

  • Der alte Kapitän Ketelsen in dem Dorfe Borchsum [Borgsum], […] erzählte uns […], wie seine Mutter abends die Hummel auf ein Tischchen, vor dem sie saß, gelegt und den Kindern zum Tanze aufgespielt habe.

Auf Fanø spielte Anna Elizabeth Sørendatter Brinch (1780 – 1858) eine Hummel (humle). Maren Jesdatter Brinch (1818 – 1906) erbte diese Hummel und spielte sie auf Fanø.Peder Brinch (1848-1928) erbte diese Hummel von seiner Mutter. Er spielte mit Plektrum und Spielstab.

In Hjallese bei Odense besaß Marie Catrine Jørgensen (1794-1865) eine kleine Hummel, die sie mit dem Plektrum spielte. 

Das Gemälde „Werkstatt eines Bernsteinarbeiters“ der deutsch-dänischen Künstlerin Charlotte von Krogh entstand im Jahre 1906 und zeigt ein Interieur auf Fanø. An einem Haken hängt eine halb von einer Tasche verdeckte Hummel. 

In einem Bericht über einen „trolldomsprocesser“ in Ockelbo in Schweden im Jahre 1674 steht:

  • De åt och drack och började sedan dansa. En gammal tant spelad långspel för dem.

Eine schwedische Hummel (långspel, långharpa) aus dem Jahre 1701 ist noch erhalten, neben vielen anderen Hummeln in verschiedenen Formen aber meist mit einer Ausbauchung. Um 1770 ist das långspel „recht selten geworden“. 

Eine große Hummel von 1,15m Länge, als „Bûche des Flandres“ bezeichnet, stammt aus dem Jahre 1793. Viele weitere Hummeln verschiedenster Bauart kommen aus Flandern und den umliegenden Landschaften.

Klaas Douwes schrieb 1699:

  • De Noordse Balken sijn holle vierkantige Instrumenten, van twee of drie voeten lang en ook wel langer […] de voijsen worden alleen op de voorste snaare gespeelt […].

Dem 1821 in Friesland geborenen Waling Dykstra erzählte der Großvater:

  • […] dat hier in vroeger jaren een man reisde met een noordsche balk, een speeltuig met snaren, die hij tokkelde met een ganzenpen, terwijl het instrument op zijne knieën rustte. […] Het speeltuig, meest gelijkende naar een citer, is een holle doos van 101 cm lang en 8 cm diep, terwijl de grootste breedte 23 cm is.

Über den Winter auf Vierlandens Höfen berichtet Ernst Finder im Jahre 1922:

  • […] war es Brauch, daß die junge Welt […] um 9 Uhr häufig dazu überging, sich lustig zu machen. Auf dem Flett oder der großen Diele fing man an, unter der Begleitung einer Harmonika oder einer Hummel, eines zitherartigen Saiteninstruments, zu tanzen. […]

Gustav Klemm erinnert sich im Jahre 1865:

  • […] der alte Erzgebirger hatte sein eigenes Saiteninstrument, die Hummel […]

In der Landschaft Solling war die Hummel als Hümmelke bekannt. Adolf Hilke baute seine erste Hümmelke ca. 1871 und spielte sie bis ca. 1920 in den Spinnstuben und zu Hause. Eine von ihm gebaute Hümmelke befindet sich noch heute (2015) im Familienbesitz.

Verwandte der Hummel

Eine Bundzither aus dem Jahre 1608 befindet sich im Gemeentemuseum in Den Haag. Dieses Instrument mit der Länge von 84,1 cm ist aus einem Block geschnitten. Der Boden ist offen. Es hat 1 Melodie- und 2 Bordunsaiten über 18 Bünden.

Seit 1730 ist die Épinette des Vosges im Val d’Ajol überliefert. Zwischen 1820 und 1850 unterhielt Dorothée Vançon die Ausflügler mit dem Spiel auf ihrer Épinette des Vosges. Der Wunsch mancher Gäste, ein Instrument mit nach Hause zu nehmen, ermöglichte eine kleine Fabrikation. Dieses Handwerk hat sich bis heute erhalten.

In der Rynkeby Kirke auf der Insel Fyn ist ein Engel mit einer Langleg abgebildet. Diese Kalkmalerei stammt aus dem Jahre 1565.

Eine Langeleik aus Hemne in Trøndelag in Norwegen wird in das Jahr 1587 datiert. Das Instrument hat eine Länge von 113,5cm und eine Mensur von 87,8cm.

In der Einleitung zu seiner 1623 publizierten Sammlung von Psalmen empfiehlt Anders Christensen Arrebo den Gesang  zu begleiten mit  

  • […] Krogharper, Hakkebretter og Langspil […].

Er hatte das Langspil ca. 1619 bei einer Hochzeit in der Nähe von Trondheim gehört.

In einer schwedischen Novelle aus dem Jahre 1842 wird die Langleg als Instrument beschrieben, auf dem die Bauernmädchen in der Gebirgsgegend gern spielen und oft mit großer Fertigkeit. Ferner wird ein Liebeslied aus dem Westfjordtal zitiert:

  • Ho som so gjilt kan po Langleg spelo, Svanaug den vena, ska no vära mi [Sie, die so schön auf dem Langleg spielen kann, Swanaug die Holde, soll die Meine jetzt sein]

In einer ungarischen Volkskunde von 1979 steht:

  • Beim Maisentlieschen oder beim Spinnen wurde zum Abschluß zur Zither [Citera] getanzt. Auch wenn man Sonntag nachmittags zum Tanz zusammenkam, war die Zither das wichtigste Instrument. An Winterabenden hörte man ihr gerne auch ohne Tanz zu.

Der Lehrer Nicolae Coroiu aus Avram Iancu in Rumänien erzählt  im Jahre 2008:

  • […] În copilăria mea, aproape fiecare casă avea câte o Ţiteră, aproape în fiecare casă era cineva care avea auz muzical si învăţa la acest instrument. […]
    (In meiner Kindheit war in jedem Haus eine Ţiteră, nahezu in jedem Haus war jemand, der mit diesem Instrument Musik machte.)

Im Jahre 2012 hat er 10 SchülerInnen, die er im Ţiteră-Spiel unterrichtet.

Bordunzithern der nordeuropäischen Einwanderer in Pennsylvania (USA) sind noch erhalten, darunter zwei Instrumente aus den Jahren 1781 und 1788. Viele Instrumente in den verschiedensten Bauformen befinden sich in Museen und Sammlungen in den südlichen Appalachen. 

Der Mountain Dulcimer aus den Appalachen  hat in der Regel 3 Saiten, die erste Saite ist manchmal eine Doppelsaite.  Ursprünglich gab es Bünde nur unter der ersten Saite. Bei den neueren Instrumenten sind alle Saiten mit Bünden unterlegt, so daß man auch Akkorde greifen kann. Der Dulcimer läßt sich in begrenztem Umfang auf andere Tonarten und Modi umstimmen.

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